Verbrechen und Strafe – Zur Kritik der Polizei(kritik)

Verbrechen und Strafe – Zur Kritik der Polizei(kritik)
Vortrag mit Hannes Kerger
 
„Der Polizist, dem du des Nachts begegnest
Und der dich dich heimführt falls du etwas schwankst
Tut das nicht weil du ihn lobst oder segnest
Nur aus Angst, nur aus Angst“
– Georg Kreisler, Die Angst
 
„Härter durchgreifen!“ lautet die Parole, hinter der sich Konservative wie Sozialdemokraten, Liberale und Radikale der Rechten und selbst der Linken versammeln, wenn der Delinquent nur möglichst verkommen, verdorben und verächtlich ist. Dann fordern sie unisono die Wiederherstellung des Rechtsstaats, wo sie den Polizeistaat meinen. Die Lust an der Strafe konstituiert das zu bestrafende Verbrechen, und nicht umgekehrt – und verlangt nach einer Institution, die das Verbrechen ahndet. Eine Kritik der Polizei ohne eine Kritik derer, die nach ihr rufen, kann man also getrost vergessen. Die Straflust bricht sich umso weniger gehindert Bahn, je stärker sich ein Fetischismus der Sicherheit durchsetzt, vor dessen Hintergrund noch die geringste Abweichung als eine Gefahr oder Drohung erscheint, vor der einem nur angst und bange werden kann.
Und doch ist dies nur die halbe Wahrheit der Polizei: Denn der Staat verlangt nach der Monopolisierung der Gewalt, soll er nicht in einen Bandenkrieg zerfallen. Der Einzelne überträgt die Möglichkeit dem Anderen Gewalt anzutun auf die Institution der Polizei: Statt den Dieb oder Mörder gleich selbst zu ermorden lässt man ihn festnehmen. Als Repräsentanz des Monopols der physischen Gewalt ist die Polizei aber nicht allein Befehlsempfänger mehr oder minder mächtiger Interessen, sondern verfügt über die Definitionsmacht im eigentlichen Sinn: Sie kann selbst entscheiden, wer zu strafen ist und wer nicht. Ihrer eigenen Dialektik folgend, droht sie damit das rechtsstaatlich legitimierte Gewaltmonopol ihrerseits auszuhöhlen. Dies wird auch in Deutschland immer wieder und nur allzu gerne vergessen, wo man zur Bettlerrazzia und Aktion Arbeitsscheu Reich ebenso schweigt wie zur zuvorderst polizeilichen Organisation und Durchführung der Shoah.
 
Der Vortrag widmet sich daher nicht allein einer Kritik der Polizei, sondern auch derjenigen der Straflust und des Sicherheitsfetischismus, die einer vernünftigen, transparenten und demokratischen Organisation des Gewaltmonopols im Weg stehen.
 
Der Referent Hannes Kerger promovierte im Fach Kriminologie und verdingt sich im Süden Münchens als freier Autor und Gärtner. Er veröffentlichte jüngst als Co-Autor den Artikel „Verdächtig gemacht“ in der Ausgabe 43/2019 des Hinterland Magazins.
 
Offen ab 20 Uhr. Beginn 21 Uhr.
Für Essen und kühle Getränke ist gesorgt.

Klima, Krise, Kapital

Über die ökologischen Krise und ihre Kritik(er*innen) – Vortrag und Diskussion mit direction f (Hannover)

Die globale Klimaerwärmung und ihre (befürchteten) Folgen sind momentan eines der prominentesten politischen Themen. Jede und Jeder hat dazu eine Meinung, ob sie existiert, wie dramatisch sie ist oder wie sie zu lösen ist. Auf die politische Agenda hat sie jüngst die ‚Fridays for Future-Bewegung‘ mit ihren regelmäßigen Demonstrationen, die zuletzt Ende September allein in Deutschland ungefähr 1,4 Millionen Menschen auf die Straßen brachten, gesetzt. Neben den Fridays gibt es bundes- und weltweit noch unzählige weitere ‚for future-Gruppen‘. Von ‚Students‘ über ‚Parents‘ bis hin zu den ‚Psychologists‘ oder ‚Scientists‘ – sie alle fordern ein Umdenken in der globalen Klimapolitik. Statt jedoch den kapitalistischen Produktionsprozess in die Kritik zu nehmen, wird zumeist an die Nationalstaaten appelliert. So sollen diese sich doch bitte an die vereinbarten Klimaziele halten, den Ausstoß von CO2 reduzieren und/oder auf erneuerbare Energien setzen. Auf der subjektiven Ebene wird erwartet, dass sich die Individuen in ihrem eigenen Konsumverhalten einschränken und versuchen, möglichst ‚nachhaltig‘ zu leben.
Der Frage warum diese Maßnahmen, ebenso wie ein ‚Green New Deal‘, den Klimawandel ebensowenig aufhalten können wie die Förderung vermeintlich technischer Innovationen, soll im Vortrag der Gruppe direction f nachgegangen werden. Sie veröffentlichten im September die erste Auflage ihrer Broschüre, „System Change not Climate Change“ in der es, neben einer materialistischen Kritik am Klimawandel, auch um den Umgang der Nationalstaaten mit diesem, sowie der Ineffizienz bisheriger Bemühungen geht.

Die zweite Auflage erscheint voraussichtlich Anfang Dezember, die erste kann noch digital unter direction-f.org gelesen werden.

Offen ab 20:00 Uhr, Beginn 21:00 Uhr
Wie immer ist für Essen und kühle Getränke gesorgt.

Das optimierte Selbst – Sucht und Subjektivität in der spätmodernen Gegenwart

Vortrag und Diskussion mit Alexandra Schauer

Rausch und Ekstase sind gewissermaßen universale Phänomene. Als sakrale, rituelle oder alltägliche Praktiken haben sie in der Geschichte der Menschheit seit jeher eine Rolle gespielt. Das gilt nicht gleichermaßen für das Phänomen der Sucht. Als Erfindung des 18. Jahrhunderts, in dem sie zunächst in Gestalt der Trunksucht, später in Gestalt der Opiumsucht die Gemüter bewegte, wurde sie zu einer Zeit entdeckt, als sich der Mensch als autonomes, geschichtsmächtiges Subjekt zu verstehen begann. Die Entdeckung der Sucht stellte die dunkle Kehrseite der Entstehung bürgerlicher Subjektivität dar. Beruht diese auf Selbstkontrolle und Selbstdisziplin, mittels derer das Ich über seine Triebe, Affekte und Neigungen Herr zu werden sucht, stellt die Sucht eine Infragestellung dieser Selbstbeherrschung dar. Der juristische Tatbestand der Unzurechnungsfähigkeit legt davon Zeugnis ab.

Im Vortrag soll dem zivilisationsgeschichtlichen Zusammenhang zwischen der Entstehung bürgerlicher Subjektivität und der Entdeckung der Sucht nachgegangen werden. Zugleich wird das Verhältnis von Sucht und Subjektivität in die Gegenwart verfolgt. Im Zentrum steht dabei die These, dass Drogen im Übergang von der bürgerlichen Moderne in die spätmoderne Gegenwart ihre gesellschaftliche Funktion gewandelt haben: Hatte der Rausch einstmals der Flucht aus einem gesellschaftlichen Lebens gedient, indem sich der Bürger nur durch Selbstkontrolle und Selbstdisziplin und der Arbeiter durch Verkauf seiner Arbeitskraft erhalten konnte, so stellen Drogen in der Gegenwart nicht mehr das Andere der Arbeitsgesellschaft dar. Vielmehr sind Drogen zu einem integralen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens geworden. In ihrer populärsten Gestalt begegnen sie heute als Mittel, mit denen das »unternehmerische Selbst« nach seiner beständigen Optimierung strebt.

 

Alexandra Schauer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Soziale Entwicklung und Strukturen an der LMU München. Sie arbeitet zum Wandel von Selbstverhältnissen und Weltbeziehungen in der spätmodernen Gegenwart.

 

Offen ab 20:00 Uhr, Beginn 21:00 Uhr.

Für Essen und kühle Getränke ist gesorgt.

Autoritarismus und Unterwerfung

Autoritarismus und Unterwerfung – Zur Geschichte und Aktualität psychoanalytischer Konzepte

Vortrag und Diskussion mit Jenny Willner

Wie politisch, wie emanzipatorisch kann Psychoanalyse sein? Vom Positivismus als Pseudowissenschaft verschrien, vom Vulgärmaterialismus als bürgerliche Ideologie oder Flucht ins Private, lässt sich ihre Geschichte vom Beginn an auch als Versuch lesen, zu einem genaueren Verständnis von Subjektivität in gesellschaftlichen Gefügen zu gelangen: vom autoritären Charakter über Ansätze einer Theorie des Antisemitismus hin zur Analyse des unternehmerischen Selbst neoliberaler Vergesellschaftung. Die Referentin wird den Diskussionsabend mit der Vorstellung verschiedener psychoanalytischer Konzepte einleiten, die explizit auf ein Verständnis von Subjektivität in sozialen, gesellschaftlichen und ökonomischen Gefügen zielen. Neben den berühmten Ansätzen von Freud bis Adorno sind nicht zuletzt die Beiträge Sándor Ferenczis zur frühen psychoanalytischen Theoriebildung für ein Verständnis des Zusammenhangs von Autoritarismus und Unterwerfung zentral. Sowohl das ausgeprägte Gespür Ferenczis für Machtverhältnisse als auch seine Analysen der Introjektion und der Identifizierung mit dem Angreifer tragen zum Verständnis der libidinösen Dimension des Politischen bei.

Offen ab 20:00 Uhr, Beginn 21:00 Uhr.

Für Essen und kühle Getränke ist gesorgt.

Darum Israel!

Warum ein konsequenter Antifaschismus die Solidarität mit Israel einschließt.

Wer Deutschland sagt, muss Auschwitz nennen. An dieser grundlegenden Einsicht kommt jedes Reden über Deutschland, seitdem die Barbarei sich völlig entgrenzte, nicht vorbei. Jeder Antifaschismus muss sich mit dem Nationalsozialismus selbst beschäftigen. Dieser bedeutete nicht bloß ein autoritäres Regime, sondern eine Transformation von Staat und Ökonomie, in dessen Zentrum der Antisemitismus stand. Schließlich kulminierte der NS in der versuchten globalen Vernichtung der Juden und Jüdinnen. Eine Gegnerschaft zum Nationalsozialismus muss somit die Bekämpfung des Antisemitismus in den Mittelpunkt stellen.
Ebenso muss auch eine Kritik, die etwas Besseres als die derzeitigen Verhältnisse will, darauf reflektieren. Eine Gesellschaftskritik, vor allem aber eine an Deutschland, kann sich nicht vollziehen, ohne den Nationalsozialismus einzubeziehen. Auschwitz stellt daher den Nullpunkt der Gesellschaftskritik dar. „Auschwitz hat sich ereignet, und folglich kann es sich wieder ereignen“ (Primo Levi). Jede Gesellschaftskritik hat sich daran auszurichten, dass die Wiederholung dessen ausgeschlossen ist. Dabei geht es nicht um die direkte Wahrscheinlichkeit der Wiederholung in exakt historisch-spezifischer Form, es geht auch nicht darum, die AfD oder den Rechtsruck der jetzigen Zeit mit dem Nationalsozialismus gleichzusetzen. Relevant hierfür ist die reine Möglichkeit der Wiederholung, aus der sich der kategorische Imperativ ableitet, sein „Denken und Handeln so einzurichten, daß Auschwitz sich nicht wiederhole, nichts ähnliches geschehe.“ (Adorno) „Darum Israel!“ weiterlesen

Umrisse der Weltcommune

Vortrag und Diskussion mit den Freundinnen und Freunden der klassenlosen Gesellschaft
 
Gegenwärtig sind reaktionäre und autoritäre Kräfte nicht nur weltweit im Aufwind begriffen, Nationalkonservative, Faschisten und Islamisten scheinen auch das Feld des Utopischen fest im Griff zu haben. Während die Vorstellung von einer besseren Welt lange Zeit als zentrale Stärke der Linken galt, begnügen sich emanzipatorische Kräfte heute zumeist damit, Defensivpositionen einzunehmen, breite Bündnisse auszurufen und an sozialdemokratischen Minimalstandards festzuhalten. Doch besteht die richtige Antwort auf die rechte Gefahr wirklich darin, dass radikale Linke sich mit dem liberalen Bürgertum in eine Gemeinschaft des Reformismus retten?
 
Nein, vielmehr sind gerade jetzt radikale Gegenentwürfe zum Bestehenden an der Zeit. Die Revolten und Aufbrüche der letzten Jahrzehnte blieben in dieser Hinsicht ziemlich blass und kapitulierten davor, den Übergang zu einer wirklich nachkapitalistischen Gesellschaft zu wagen. Dabei spricht einiges dafür, dass die alte Bestimmung des Kommunismus als einer Gesellschaft, in der jede nach ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen leben und tätig werden kann, brandaktuell ist. Was die Aufhebung des jetzigen Zustands konkret heißt und wie die Welt von morgen aussehen könnte, haben wir in der neuen Ausgabe von Kosmoprolet zu umreißen versucht. Einige der zentralen Fragen, auf die die Kommunarden und Kommunardinnen in den kommenden Aufständen stoßen werden, wollen wir zur Debatte stellen.
 
Den Text „Umrisse der Weltcommune“ der Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft findet ihr auf der Seite des Kosmoprolet: kosmoprolet.org
 
Für kühle Getränke und etwas zu Essen ist gesorgt.
 
Offen ab 20:00 Uhr, Beginn 21:00 Uhr.
Ort: Thalkirchner Straße 102

Antisemitismus und Sexismus

Zur Verschränkung beider Ideologien in der bürgerlichen Gesellschaft
Vortrag und Diskussion am 11.04

Wenn man sich mit verschiedenen Ressentiments oder mit sozialer Ungleichheit auseinandersetzt, geht das meist mit einer intersektionalen Betrachtung auf Diskriminierung einher, die verschiedene Betroffenheitsperspektiven zusammen zu denken versucht. Um jedoch nicht erst in den Vorkommnissen mehrere Diskriminierungsebenen zugleich zu betrachten, sondern schon in ihrer ideologischen Struktur Verknüpfungen und Gemeinsamkeiten zu analysieren, entwickelte Karin Stögner den Ansatz der Intersektionalität von Ideologien. Ausgehend von diesem Ansatz und dem Ideologiebegriff der Kritischen Theorie als das “notwendig falsche Bewusstsein” wird in diesem Vortrag auf die Verschränkung von Antisemitismus und Sexismus in der Moderne eingegangen.

Es wird betrachtet, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten sich auf ideologischer Ebene im Antisemitismus und Sexismus finden und aufgezeigt, dass diese fest in der bürgerlichen Gesellschaft verankert sind. Auch der Subjektstatus der bürgerlichen Gesellschaft ist geprägt von diesen Ideologien; das bürgerliche Subjekt nutzt sie, um das Leid, das es erfährt und die Widersprüche der Gesellschaft auf ganz bestimmte Gruppen zu projizieren und sie dort zu bekämpfen. Um erklären zu können, wie im Sexismus die Widersprüche des Subjekts, im Antisemitismus die Widersprüche der Moderne generell verhandelt werden, sollen die widersprüchlich gezeichneten Feindbilder des Juden und der Frau sowie deren Identifikation mit Natur dargestellt und analysiert werden.

In dem Vortrag wird herausgearbeitet, dass sowohl Sexismus als auch Antisemitismus – wenn auch unterschiedlich – in der bürgerlichen Gesellschaft verankert sind und somit beide nicht konsequent bekämpft oder gar aufgehoben werden können, wenn nicht auch die bestehenden Verhältnisse überwunden werden.

Der Vortrag findet im Kafe Marat, Thalkirchner Straße 102, statt.

Offen ab 20:00 Uhr, Vortrag beginnt um 21:00 Uhr.

Für Essen und kühle Getränke wird gesorgt.

 

WHO RUN THE WORLD?

Texte wider dem Patriarchat

Broschüre zum Frauenkampftag 2019

Die Broschüre als PDF

Feministisches Engagement nimmt sowohl global als auch in der Bundesrepublik wieder zu. Zum
diesjährigen Frauenkampftag am 8.März wird selbstbewusst zum Frauen*streik aufgerufen und
auch sonst scheinen feministische Anliegen erfreulicherweise gesellschaftlich wieder breiter diskutiert
zu werden. Ausweis dessen kann etwa die breite Debatte zur Abschaffung des §219a oder
jüngst erfolgte staatsoffizielle Einführung eines dritten Geschlechts „divers“ sein. Gleichzeitig gibt
es jedoch auch einen massiven antifeministischen Backlash, welcher bereits erkämpfte Errungenschaften
feministischer Kämpfe angreift. All dies haben wir zum Anlass genommen, uns intensiv
mit der Kritik des Patriarchats auseinanderzusetzen und gegenwärtige Versuche einer feministischen
Gesellschaftskritik zu formulieren. Dass nicht alle feministischen Protagonist_innen ein Verständnis
von beidem, der Kritik am Patriarchat als auch einer feministischen Gesellschaftskritik, haben,
zeigt etwa die Affinität bestimmter Aktivist_innen, Gruppen oder Bündnisse mit antizionistisch-
antisemitischen Einstellung, welche sich etwa in der Unterstützung des BDS-Kampagne manifestiert,
und weshalb sie auch kein Problem damit haben eine bekannte Holocaustleugnerin einzuladen.
Um darzulegen, weshalb dadurch weder den Frauen in den palästinensischen Mandatsgebieten
noch in Israel geholfen ist und zudem antisemitisches Denken Bestandteil feministischen Aktivismus
ist, dokumentieren wir ein Statement des Bündnisses Frauenstreik Osnabrück zum diesjährigen
Verhalten des Frauen*streik-Bündnisses aus Berlin. Ebenfalls weniger feministische Gesellschaftskritik
als reaktionäre ist die das unkritische Gebaren, welches in Teilen feministischer Diskurse
gegenüber dem Zusammenhang von Patriarchat und islamischer Ideologie besteht. Um diesem
etwas entgegenzusetzen, haben wir uns zu den patriarchalen Inhalten des Islamismus und des orthodoxen
Islams ein paar Gedanken gemacht. Darüber hinaus möchten wir uns entgegen vieler anderer
Aufrufe und Debatten zum diesjährigen Frauenkampftag nicht nur mit der ökonomischen
Lage der Frau und dem Gender Pay Gap befassen, sondern über die ökonomische Dimension der
männlichen Herrschaft das Blickfeld weiten und das Gewaltverhältnis im Geschlechterverhältnis
betrachten. Neben dem im männlichen Subjekt vermittelten Gewaltverhältnis und der Frage, wie
sich die Hierarchisierung und Abwertung der Frau in der „Normalmännlichkeit“ eingeschlossen findet,
kritisieren wir zudem auch konkret die Verhältnisse innerhalb der radikalen Linken (von der
wir uns hierbei selbstverständlich nicht ausschließen) und wie es diese am Frauenkampftag, aber
auch sonst, mit dem Sexismus hält.
Wir wünschen euch viel Spaß beim lesen, darüber nachdenken und diskutieren! Wie immer freuen
wir uns, wenn wir Antworten und Diskussionsbeiträge zur Broschüre erhalten. Ihr erreicht uns
etwa per Email über project_c@riseup.net.

Zur Kritik am Geschlechterverhältnis innerhalb der radikalen Linken

Vortrag und Diskussion mit dem Antifaschistischen Frauenblock Leipzig

Warum soll die wertvolle Zeit des politischen Engagements mit Debatten über das Geschlechterverhältnis in der Antifa „verschwendet“ werden? Ist die Sache nicht wichtiger als sich damit aufzuhalten? Was hat das Geschlechterverhältnis überhaupt mit antifaschistischer Politik zu tun? Leider stehen solche Fragen immer wieder und erst dann im Raum, wenn Quotierungen in der Besetzung von Podien oder bei der ersten Reihe einer Demo eingefordert werden. Wir wollen mit euch diskutieren, warum das so ist und welche Strategien dagegen gerichtet werden können. Die Geschichte und die Erfahrungen von selbstorganisierten Frauen* könnendabei als Denkanstoß dienen.

Afbl.org

Für Essen und kühle Getränke ist gesorgt.

Weiblichkeit als projizierte Natur

Das Geschlechterverhältnis in der Kritischen Theorie – Vortrag von Carolin Cyranski

Die Kritische Theorie wird aufgrund der für Individuum und Gesellschaft unentrinnbaren Fatalität ihrer Analyse von verschiedenen Seiten oft als unzureichend und exkludierend kritisiert. Die eigentlich zivilisatorische Konstruktion von Geschlecht, die auch Adorno und Horkheimer betonten, bleibt dabei oft unerwähnt. In der Dialektik der Aufklärung erzwingt die gesellschaftlich-ökonomische Notwendigkeit von Männlichkeit, ein Synonym für Triebversagung und Selbstbeherrschung, ihren Gegenbegriff in Form von naturnaher Weiblichkeit. In die Frau als Verkörperung von körperlicher sowie geistiger Schwäche wird alles verlagert, was der sich selbst stets bezwingende Mann zugleich ersehnt und verachtet. Gleichzeitig wechseln sich die Furcht und Verachtung der Frau gegenüber ab. Aufbauend auf dem von Karin Stögner herausgearbeiteten Geschlechterverhältnis in der Kritischen Theorie lohnt sich hier insbesondere der Blick auf das Bild der Prostituierten in der Gesellschaft. Laut Karin Stögner besetzt die Prostituierte eine uneindeutige, sogar widersprüchliche Position zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit. Auf dieser Grundlage kann ein vertiefender Einblick in die Dialektik des Geschlechterverhältnisses gegeben werden kann. Es wird herausgearbeitet, inwieweit die Dialektik des Subjekts Mann und der mystifizierten, naturbehafteten Frau nicht nur nebenbei erwähnte Exkurse der Kritischen Theorie, sondern der ihr zugrundeliegende Effekt zivilisatorischer Entfremdung sind.