AURORA: Vortrag & Soliparty

 

Party Lineup:
Konzert mit Zoo Escape
Danach:
Raum 1: Kaput Kroits und weitere Techno-DJ_anes
Raum 2: Trashbattle zwischen Trashpanda und Dr. Gregor Giesing

Vortrag mit Konstantin Klur: Homophobie in der ökonomischen Krise: Homosexuelle als Feinde der männlichen Ordnung

Es ist eine ambivalente Sit uation: Homo-und transsexuelle Menschen können in liberalen Ländern heute freier leben als jemals zuvor. Immer mehr Staaten ermöglichen gleichgeschlechtliche Ehen, die Toleranz stieg in den letzten Jahrzehnten erheblich. Doch trotz dieser positiven Tendenz verläuft die queere Emanzipation nicht widerspruchsfrei – es scheinen heute diverse gegenläufige Tendenzen ausmachbar. Während die Unterdrückung vonseiten des Staates scheinbar abnimmt, sind Menschen, deren Sexualität von der Heteronormativität abweicht noch immer und seit einiger Zeit gar in steigendem Maße, offenen Anfeindungen ausgesetzt, die bis hin zu körperlichen Angriffen reichen. Auch können offen LGBTIQ-feindliche Parteien in ganz Europa Wahlerfolge erzielen.
Daher gilt es aufzuklären, woraus sich die heutige Ablehnung queerer Menschen speist und wie diese sich trotz der Liberalisierung und Individualisierung erhalten konnte. Im Vortrag soll es um den Hass auf jene sexuell ‚Abweichenden’ gehen, die in Situationen der Krise, wenn die Volksgemeinschaft gegen die zerfallende Gesellschaft in Anschlag gebracht wird, als jene Gruppe ausgemacht werden, die sich “dem Kollektivsubjekt nicht einfügt, womöglich ihm widersteht” (Adorno): den Hass auf Homosexuelle. Denn die Regression auf die offene Verfolgung sexueller, religiöser und ’ethnischer’ Minderheiten bleibt als Möglichkeit im Wesen liberalkapitalistischer Gesellschaften bestehen, worin gerade ein gutes Stück deren ureigenen Unwahrheit liegt: Die immanent gegebene Möglichkeit, sich in ihr scheinbares Gegenteil zu verkehren; die Umkehrung von Liberalismus und Individualismus in den totalitären Anspruch auf Einheit, der kein Äußeres, keine Abweichung erträgt und diese mit allen Mitteln einzuebnen bereit ist.

14.10.2017/ Beginn 20 Uhr/ Kafe Marat, Thalkirchnerstr. 102

Rückkehr nach Rechts? Arbeiter_innenklasse und Rechtspopulismus

Vortrag von Wolfgang Veiglhuber

Ob Front National, Ukip oder Clown Donald Trump: Die meisten rechtspopulistischen Bewegungen unserer Tage rekrutieren einen beträchtlichen Teil ihrer Anhängerschaft aus den Reihen der Arbeiter_innenklasse. Der Vortrag wird sich, vor allem in kritischer Auseinandersetzung mit Didier Eribons “Rückkehr nach Reims”, damit beschäftigen, was es für linke und emanzipatorische Politik bedeutet, dass das ehemals “revolutionäre Subjekt” Proletariat sich nun eher als konterrevolutionäres Subjekt verhält, mitunter als treibende Kraft rechter Massenmobilisierungen. Dass die Politik dieser rechtspopulistischen Parteien oftmals weit von einer materiellen Verbesserung der Lebensbedingungen des Proletariats entfernt ist, scheint für die Lohnarbeiter_innenschaft dabei belanglos zu sein. Teile des Proletariats begreift diese Parteien vielmehr als jenen Ort, an welchem sie ihr sorgsam gepflegtes Ressentiment gegen Geflüchtete, LGBTIQ*-Menschen und „raffendes Kapital“ zum Ausdruck bringen können. Wodurch lässt sich diese Hinneigung von Teile der Arbeiter_innenklasse zu rechtspopulistischer Politik erklären oder war das revolutionäre Proletariat nicht immer schon eine Chimäre? Und welche Konsequenzen hat dieser Befund für eine Linke, die, obschon der Rückkehr des Proletariats als politischem Akteur erfreut sein könnte, diese jedoch nur als marginalisierte Randfigur beobachten anstelle von gestalten kann?

Wolfgang Veiglhuber war beim DGB Bayern lohnabhängig beschäftigt und verantwortete dort unter anderem das Programm des DGB Bildungswerk Bayern.

Vortrag am 08.09.2017 / Beginn 20:00 Uhr / Zielstattstr. 37